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SSF - Der Offene Brief, Nr. 14
An die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen
Sehr geehrter Herr Cirigliano
Sie sind Präsident der Eidgenössischen Kommission für Kinder-
und Jugendfragen (EKKJ) und haben kürzlich den neuen Bericht
über die Sexualität der Schweizer Jugend vorgestellt. Der
Bericht fordert eine bessere Sexualerziehung und appelliert
an die Eltern, ihre Medienkompetenz zu verbessern, um ihren
Nachwuchs die nötigen Leitlinien beim Umgang mit neuen Medien
zu geben. Sie haben ein Thema aufgenommen, das vielleicht
noch nie so schwer zu bewältigen war wie heute. Und es ist
Ihr Verdienst, dass Sie es aufs Tapet gebracht haben Auf allen
möglichen Kanälen sind Jugendliche nicht nur von exzessiver
medialer Gewalt umgeben - dieser Aspekt wurde in letzter Zeit
häufig thematisiert - sondern auch von pornografischen Produkten
in allen Spielarten. Das Internet schiesst hier aus allen
Rohren, müsste man sagen. Ihr Rezept dagegen: Jugendliche
müssen mehr über Sexualität wissen, also soll die Schule darüber
reden, schon ab dem Kindergarten. Zweitens sollen die Eltern
sich kundig machen, damit sie die negative Flut, die über
Internet, Videos, Handys etc auf Jugendliche zielt. Für uns
sind die Vorschläge gut gemeint, aber nicht konsistent. Erstens
werden viele Eltern gerade Wert darauf legen, selbst für die
Sexualerziehung da zu sein. Vielen wird es nicht wohl sein,
dass bereits die Kindergärtnerin ihrem Kind Wissen über Sex
beibringen soll. Es ist eine heikle Materie mit vielen Ungewissheiten
betreffs Auswirkungen auf die Entwicklung. Dass sie ihr Kind
nicht einmal von Sexualunterricht dispensieren dürfen, mag
im Blick auf Migranten verständlich sein, für gut ausgebildete
Schweizer Eltern mit einer starken Wertehaltung ist es problematisch.
Zweitens: Bei der Bewältigung der sexuellen Medienflut appellieren
Sie wie viele andere erneut an die Verantwortung der Eltern.
Gerade in diesem Bereich werden aber viele Eltern noch stärker
herausgefordert sein als wenn sie mit ihren Kindern über die
Sexualität reden. Die Pornoindustrie findet ständig neue Kanäle,
um die Jugend emotional und finanziell auszubeuten, mit nachhaltigen
Folgen. Obwohl es technisch möglich ist, destruktive Websites
zu sperren oder auch deren Provider in die Verantwortung zu
ziehen, wird diese Forderung an die Behörden von Ihnen nicht
einmal als Option erhoben. Im Bereich der Kinderpornografie
gibt es griffige Instrumente und Sanktionen gegen Fehlbare.
Weshalb nicht auch bei harter Pornografie, deren Weitergabe
an Jugendliche verboten ist. Weshalb sollen nicht die Anbieter
verpflichtet werden, dafür zu sorgen, dass ihre Produkte für
Jugendliche nicht zugänglich sind? Erste Schritte in diese
Richtung haben zum Beispiel Mobiltelefonanbierter aus eigener
Initiative schon getan. Es genügt nicht, bei den Verirrungen
des zügellosen Marktes immer mehr die Eltern in Pflicht zu
nehmen. Wir wissen ja, dass man gerade diejenigen Eltern kaum
erreicht, deren Kinder am meisten von der pornografischen
Schmutzflut bedroht sind. Wir bitten Sie, auch die Justizbehörden
des Bundes an ihre Pflicht zu erinnern.
Ihre Schweizerische Stiftung für die Familie
/04.03.2010/im. www.familieistzukunft.ch
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