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SSF - Der Offene Brief, Nr. 2

Jugend vor psychischer Gewalt schützen

Offener Brief an Bundesrat Christoph Blocher, Vorsteher des EJPD

Sehr geehrter Herr Bundesrat

Es ist bekannt, dass unsere Kinder und Jugendlichen in einem bisher nie gekannten Ausmass mit Gewalt und Pornografie in Printmedien, Kino und Fernsehen, in Videospielen, Handys usw. überflutet werden: Playstations, Internet, MSN, Chatrooms … Kaum ein Kind kann sich der Flutwelle entziehen. Durch die Breitband-Mobiltelefonie und die Bluetooth-Technik dringt immer mehr Porno und Gewalt auf Schulhöfe und in Kinderzimmer. „Der Beobachter“ spricht von einer „neuen sexuellen Revolution“.

Während Polizei und Justiz im Bereich Kinderpornografie aktiv geworden sind und zumindest den Besitz von kinderpornografischem Material ahnden, sind die Schweizer Behörden hinsichtlich harter Pornografie gemäss StGB und Gewaltdarstellungen bisher ziemlich passiv geblieben. So wurde eine entsprechende Motion von Ständerat Rolf Schweiger vom März 2006 mit der Begründung abgefertigt, sie stelle Maximalforderungen. Auf eine entsprechende Motion von Norbert Hochreutener antwortete der Bundesrat Ende 2006, es spreche nichts gegen eine rechtliche Gleichbehandlung von harter Pornografie und Gewaltdarstellungen. Seither ist es zu diesem Thema ruhig geblieben. Ausser dem Medienwirbel, wenn Jugendliche alle Hemmungen verlieren, eine Klassenkameradin vergewaltigen und den Übergriff noch filmen. Nur ein Ausländerproblem?

Im Blick auf die Indexierung von Gewalt verherrlichenden Medien und harter Pornografie hinkt die Schweiz zum Beispiel unserem deutschen Nachbarland hinterher. Da stellt sich die Frage: Wie viel Wert ist es dem Bundesrat, wenigstens die möglichen Massnahmen einzuleiten, um unsere Jugend vor dem leichten Zugriff auf Medienprodukte zu bewahren, die im Blick auf ihre Wirkung mit dem Begriff „psychische Gewalt“ umschrieben werden müssen? Ihr Departement scheint zu zögern.

Stattdessen appellieren Behörden und Beratungsstellen einseitig an die Verantwortung der Eltern. Nicht nur zu Unrecht, denn viele Eltern reagieren aus Unkenntnis oder Gleichgültigkeit zu wenig auf das Problem. Eltern sind aber in diesem Bereich schnell einmal überfordert. Man denke nur schon an die schnelle technische Entwicklung der digitalen Technik, welche von Jugendlichen meistens schneller begriffen wird als von ihren Eltern.

Wir haben es mit einem massiven Angriff auf die Seelen der schwächsten Glieder unserer Gesellschaft zu tun, den der Staat nicht (fast) tatenlos hinnehmen darf. Nicht nur Kinderpornografie ist schädlich, weil sie die sexuelle Integrität von Kindern verletzt. Es gibt auch eine Verletzung der psychischen Integrität unserer Kinder, wenn man sie der von Gewalt und Pornografie triefenden Cyber- und Medienwelt ungeschützt aussetzt.

Wann wird zum Beispiel endlich gegen die Verbreiter harter Pornografie vorgegangen? Warum nicht auch den vorsätzlichen Konsum harter Pornografie unter Strafe stellen? Dürfen wir von Ihrem Justizdepartement konkrete Schritte erwarten?

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