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SSF - Der Offene Brief, Nr. 8 - September 2008
Wie viel ist dem Bundesrat die Jugend wert?
Der Offene Brief an Bundesrat Pascal Couchepin, Vorsteher
des EDI
Sehr geehrter Herr Bundesrat Couchepin
Dass Sie die Auswertung des Berichts über die Schweizer Kinder-
und Jugendpolitik mit dem jährlichen Spaziergang verbunden
haben, zeigt, dass Sie dem Thema einen besonderen Stellenwert
einräumen. Sie haben auch auf die Grenzen des Berichts hingewiesen.
Trotzdem erlauben wir uns, im Sinne einer Anwaltschaft für
die Jugend auf einige Punkte kritisch hinzuweisen und bitten
Sie gleichzeitig um Ihre Stellungnahme. Der Bericht legt grossen
Wert auf eine "liberale Jugendpolitik", die sich nur dort
einmischt und engagiert, wo dies unabdingbar ist und wo niemand
sonst tätig ist oder sein könnte. Heisst die wiederholte Berufung
auf den Föderalismus auch, dass der Bundesrat mit langsamen
und teils unkoordinierten Fortschritten zufrieden ist? Die
offensichtliche kommerzielle Ausbeutung der Jugend und ihrer
Manipulierbarkeit ist im Bericht kein Thema. Wäre die Jugend
hier nicht zum Beispiel durch ein verschärftes Vertragsrecht
und die Durchsetzung gesetzlicher Bestimmungen besser zu schützen?
Nur angetönt im Bericht sind die Integrationsprobleme von
Jugendlichen von Immigrantenfamilien aus andern Kulturen.
Zwar sieht das Konkordat HarmoS eine verstärkte familienexterne
Betreuung durch die Schule vor. Müssten nicht zusätzliche
Massnahmen getroffen werden um zu verhindern, dass immer mehr
Jugendliche sich nicht in den Arbeitsprozess und die Schweizer
Gesellschaft integrieren können? Die gegenwärtige Entwicklung
ruft nach einer verstärkten Unterstützung von Jugendlichen
in Ausbildung durch ein verbessertes Stipendienwesen. Dies
betrifft vor allem unterprivilegierte Jugendliche mit gutem
Potenzial. Auch wenn diese Aufgabe nicht in einem Bildungsartikel
definiert werden muss, soll er nicht dennoch im Interesse
einer Gesamtübersicht thematisiert werden ("Querschnittpolitik")?
Eine aktive Kinder- und Jugendpolitik zu betreiben hiesse,
auch überforderten Eltern beizeiten beizustehen, damit sie
ihren Aufgaben gerecht werden können. Dies kann mit finanzieller
Hilfe und mit einer Förderung der Vernetzungsarbeit bei der
Betreuung getan werden. Können wir es uns leisten, immer mehr
Jugendliche unter uns zu haben, die letztlich zu einem Risiko
unserer Gesellschaft werden (siehe Jugendgewalt)? Aktuelle
heisse Themen wie Jugendgewalt, psychische Gewalt durch Medien
(Cybercrime) und Alkoholorgien in aller Öffentlichkeit werden
auf einen späteren Bericht verschoben. Ist eine zeitaufwändige,
ganz seriöse Evaluation wirklich so viel wichtiger als entschiedenes
Handeln im Blick auf offenkundige Probleme? Gerne erwarten
wir Ihre Antwort. 4. September 2008/Schweiz. Stiftung für
die Familie (SSF)/ Christa Leonhard, Fritz Imhof
Schweiz. Stiftung für die Familie (SSF)
Schaffhauserstr. 24 Postfach 332
8042 Zürich
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