14.12.2016

Kirchen sind bei der Vereinbarkeit vorne dabei

Kirchen müssen Vorbilder sein, wenn es um Anstellungsbedingungen geht. Gerade auch, wenn ihre Angestellten ihre Arbeit mit Verpflichtungen in der Familie vereinbaren müssen. Nun hat auch die Reformierte Landeskirche Aargau das Prädikat „Familie UND Beruf“ der Fachstelle UND erhalten.


(SSF/im./PD) Die Reformierte Landeskirche Aargau ist die vierte grössere kirchliche Organisation, die das Label erhalten hat. Vor ihr haben bereits die Reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn, die St. Galler Kantonalkirche und der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) die 300 nötigen Punkte (von maximal 500) im Evaluationsprozess geschafft, der 68 Qualitätskriterien umfasst. Thomas Brückmann, Projektleiter der Fachstelle UND, überreichte am 8. Dezember das Prädikat „Familie UND Beruf“ an  den Aargauer Kirchenratspräsidenten Christoph Weber-Berg.

Nachholbedarf

Arbeitgeber, welche das Label führen können, sind vor allem für Mitarbeitende attraktiv, die Kinder oder ältere Menschen betreuen und daher Teilzeitanstellungen und Flexibilität bei der zeitlichen Gestaltung ihrer Arbeit benötigen. Längst nicht alle Unternehmen sind bereit, diese zu gewähren, weil ihre Betriebsstruktur dies schwierig macht oder weil sie einfach zu wenig dafür sensibilisiert sind. Arbeitgeber wie die landeskirchlichen Dienste tun sich hier leichter, allerdings gibt es auch hier noch Nachholbedarf. Insgesamt haben sich laut der Fachstelle UND bislang 150 KMU am Programm beteiligt. Häufige Kunden seien kantonale Verwaltungen, so Regula Weber, Geschäftsleiterin der Fachstelle.

Auch die Kirchgemeinden sind angesprochen

Zur Zeit läuft auch eine Evaluation in sieben reformierten Kirchgemeinden in den Kantonen Aargau, Zürich und Baselland. Diese Kirchgemeinden analysieren unter Anleitung der Fachstelle UND ihre Organisationsstrukturen sowie ihre Kultur in Bezug auf Familienfreundlichkeit und entwickeln Massnahmen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erleichtern. An einem runden Tisch tauschen sie sich über ihre Erfolge und Herausforderungen aus. In einer dritten Phase analysiert die Fachstelle UND die Ergebnisse und fasst sie in einem Kurzbericht zusammen. Dieser wird 2017 allen Kirchgemeinden zur Verfügung gestellt. Sie können sodann auf einer soliden Grundlage selbst ihre Anstellungsbedingungen überprüfen.

Anstellungsbedingungen aktualisiert

Als konkrete Folge des Evaluationsprozesses hat die Geschäftsleitung der Aargauer Kirche jetzt ein Massnahmenpaket beschlossen, das die Unterstützung von Angestellten verbessert, die Betreuungsaufgaben wahrnehmen. Sie hat die Anliegen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zudem in die Anstellungsverordnungen eingebaut und berücksichtigt sie bei Stellenbesetzungen. Römisch-katholische oder Christkatholische Kirchen haben sich laut  Regula Weber bislang noch nicht für das Label interessiert.

Der Prozess von der Erfassung des Ist-Zustands bis zur Prädikatverleihung dauert laut der Fachstelle UND zwischen 9 und 18 Monaten. Mit einer verhältnismässig kleinen Investition werde ein nachhaltiger Nutzen erzeugt. Das Prädikat gilt für drei Jahre. Nach einem Controlling kann es für drei weitere Jahre erneuert werden.

Zur Fachstelle UND

 

 

 


Von: Fritz Imhof


 

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